Mein Pommerland
Hugo Glaeser, geb. 02.06.1864 in Massow i.P., gest. 29.12.1937 Stettin.
 

Einst hörte ich, daß man von meinem Pommerlande,
von meiner Heimat recht verächtlich sprach;
ein ödes Land sei es, nur Sumpf und Sande
und Pommerns Volk sei weit dem andern nach!

Ich sprach: verzeiht, darf ich mal fragen,
habt ihr mein Pommern überhaupt gesehen?
Saht Ihr auf Rügen unsere Stubnitz ragen
Und unsere Stubbenkammer Felsen stehen?

Zogt Ihr entlang an den Forellenbächen,
durch Täler weit, beim lieblichen Polzin?
Saht Ihr die körnerschweren Weizenflächen
bei Pyritz, Rügenwalde und Demmin?

Saht bei Stettin Ihr wohl die vielen Masten,
wie sie geschäftig zogen ihre Bahn?
Wie sie bei Tag und Nacht nicht rasten
und saht Ihr schon den mächtigen Vulkan?

Seit Ihr die Oder aufwärts schon gefahren
Und zogt hinab den Oderstrom?
Saht Ihr den Ostseespiegel schon, den klaren,
und schrittet Ihr durch Pommerns Wälder schon?

Habt Rügenwalder Spickbrust Ihr gegessen,
Stralsunder Flundern und Kösliner Wurst?
Habt Ihr in Pommern irgenwo gesessen,
mit Pommernbräu zu löschen Euren Durst?

Und lerntet Ihr schon Pommerns Frauen kennen,
die stets das Herz am rechten Fleck?
Und hörtet Ihr schon Pommerns Männer
nenne: Ernst Moritz Arndt, Joachim Nettelbeck?

Das sagte ich, und alle, alle schwiegen,
weil mein Wort sie wohl überwand,
so wird mein Wort stets die besiegen,
die dich verachten, schönes, einst so schönes Pommerland!