15. große Kulturveranstaltung
der Pommerschen Landsmannschaften Remscheid, Solingen, Wermelskirchen und Wuppertal
vor der Gedenkstätte des deutschen Ostens in Schloss Burg an der Wupper!
Sonntag, 01. Juli 2007!

Erbsbär, Schimmelreiter & Co - 15. Kulturveranstaltung der Pommern vor der “Gedenkstätte des deutschen Ostens“
Artikel von Klaus Trester, Kulturreferent der PLM Remscheid (erschienen in der Pommernzeitung)

“Es ist eine besondere Freude, daß unsere Veranstaltungen ein großes Echo in dieses Land transferieren und dadurch sehr viele unserer Landsleute aus nah und fern zu uns kommen", sagte Detlef Lindemann. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Solingen der Pommerschen Landsmannschaft begrüßte am 1.Juli die zahlreichen Besucher, die sich vor der “Gedenkstätte des deutschen Ostens“ auf Schloß Burg an der Wupper zur 15. Kulturveranstaltung getroffen haben. Lindemann machte deutlich, daß die Gedenkstätte der Vertreibung seit Jahren wieder mit Leben gefüllt wird. Mit unseren Kulturveranstaltungen dokumentieren wir Jahr für Jahr die Brücke zwischen der Kultur und dem Brauchtum unserer Heimat Pommern und unserem Zuhause im Bergischen Land.
Die Grüße der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Pommerschen Landsmannschaft überbrachte der Vorsitzende Adalbert Raasch. Er erinnerte an die Favorisierung eines Zentrums gegen Vertreibungen in der Hauptstadt Berlin. “Dieser Ort soll Mahnung sein, die Vertreibung weltweit zu ächten und die Völkergemeinschaft zu sensibilisieren. Aus dem persönlichen Erleiden und dem Wissen darum, was Vertreibung und ethnische Verfolgung bedeuten, wollen wir das Zentrum an zentraler Stelle errichten und damit der Versöhnung, dem Frieden und der Toleranz zwischen den Völkern einen dauerhaften Weg bereiten“, sagte Raasch.
Auch die lokale Prominenz ließ es sich nicht nehmen, GruBe von Rat und Verwaltung zu überbringen. So würdigten die Remscheider Oberbürgermeisterin Beate Wilding, die stellvertretende Bürgermeisterin aus Wermelskirchen, Christel Reetz, und Arnold Narkowski, Stadtverordneter der Stadt Wuppertal, die Aktivitäten der Vertriebenen. Sie waren sich einig, daß zum Aufbau der Bundesrepublik vor 60 Jahren, die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten erheblich beigetragen haben. Obwohl sie damals in diesem Land voll integriert wurden, haben sie ihre angestammte Heimat nicht vergessen. Die schrecklichen Folgen des Krieges dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Unterhaltsam hatten die Pommern die zweite Hälfte des Nachmittags gestaltet. Unter dem Motto “POMMERN, BRAUCHTUM,WORT, LIED UND TANZ“ präsentierte die “Danzdeel Salzkotten“ unter der Leitung von Dr. Wolfgang Ehlert ein folkloristisches Programm. Auf der Freifläche vor der Gedenkstätte wechselten sich in bunter Folge Volkstänze, Gesang und Wortbeiträge ab, die nur durch den Beifall der rund 450 Besucher unterbrochen wurden. Mit einem Umzug der Faschingsgestalten Erbsbär, Schimmelreiter und Schnabbuk begann die Reise durch pommersches Brauchtum, gefolgt vom Osterwasserholen bis hin zu den Erntebräuchen. Volkslieder und ein Beitrag zur pommerschen Geschichte rundeten das beachtenswerte Programm ab.

Schon weit vor Veranstaltungsbeginn nutzten die Gäste die Zeit sich mit Bekannten und Freunden zu treffen. Rund um die Freifläche waren von den vier Kreisgruppen Stände aufgebaut worden, an denen Bücher, Handarbeiten und Landkarten verkauft wurden. Für das leibliche Wohl sorgten die Frauen um Frauenreferentin Irene Hackbarth (Solingen) mit pommerschen Spezialitäten. Kaffee und Kuchen gab es am Stand der Wuppertaler Frauengruppe unter ihrer Leiterin Irmgard Beeskow. Die Remscheider Frauengruppe mit Ingrid Marx an der Spitze besetzte den Informationsstand. Über die Geschichte der Burger Kulturveranstaltungen konnten sich die Besucher in einer Ausstellung an Hand von alten Flyern, Plakaten und Presseberichten informieren. Pressereferent Klaus Trester (Remscheid) erinnert sich:

Die Hiobsbotschaft über die Streichung der Fördermittel für die 1951 auf Initiative des damaligen nordrhein-westfälischen Kultusministers Hans Luchtenberg gegründeten und in Gegenwart des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss eingeweihten Gedenkstätte trat die Vertriebenen wie ein Keulenschlag. Die SPD verteidigte die Sparmaßnahmen der Landesregierung mit den Worten: "Nach den umwälzenden Prozessen im Ostblock und dem Niedergang des Kommunismus habe auch die Vertriebenenpolitik neu bewertet werden müssen. Die Grünen sprachen sich dafür aus, im Sinne der Völkerverständigung die im Glockenturm der Gedenkstätte befindlichen Glocken, die auch den Beginn der 15. Kulturveranstaltung eingeläutet haben, den Kirchen in Breslau und Königsberg zurückzugeben. Eine Förderung der Gedenkstätte käme dann unter Umständen wieder in Betracht."
Wer vor solchen Meinungen die Augen verschließt und einer Rückführung der Glocken nach Polen und Rußland das Wort redet, wie die Grünen, verhält sich irrational und wecke den Verdacht in Überkompensation mitverdrängten Vorurteilen zu agieren.

Der Stettiner, genauer der Altdammer, Klaus Witte von der Kreisgruppe Solingen machte sich Gedanken, wie man das Aus für das Burger Mahnmal verhindern kann, zumal der Bund der Vertriebenen (BdV) zu diesem Thema nicht sichtlich reagierte. Über seine Idee, die Attraktivität der Gedenkstätte zu steigern und ihr eine Art Schaufenster-Funktion zukommen zu lassen, diskutierte Witte beim 37. Pommernball am 23. Januar 1993 in Wuppertal mit Heinz-Rudi Knüppel (PLM Remscheid) und Ulrich Kosin (PLM Wuppertal) und fand volle Zustimmung. Man suchte aber noch Partner. Und so kam die PLM Wermelskirchen unter Jürgen Weiher mit ins Boot. Beim Landestreffen der Pommern am 20. Mai 1993 in Bad Salzuflen wurden sich die vier Kreisgruppen einig, das kulturelle Erbe und die Tradition Pommerns zu bewahren und zu diesem Zweck eine Kulturveranstaltung vor der “Gedenkstätte des deutschen Ostens“ zu organisieren, um sie in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen. Diese hat erstmals am 18. September 1993 stattgefunden. Aufgrund des großen Erfolges dieser Premiere entschlossen sich die vier Vorsitzenden Heinz-Rudi Knüppel (Remscheid), Detlef Lindemann (Solingen), Jürgen Weiher (Wermelskirchen) und Ulrich Kosin (Wuppertal) diese Art Veranstaltung weiter durchzuführen. Hochkarätige Gäste konnten die Veranstalter begrüßen, so u.a. den Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär Bernd Wilz, den Präsidenten der PAV Dr. Edgar Jahn, den Bundeskulturreferenten der PLM Jens Rüdiger, die Landtagsabgeordneten Rüdiger Goldmann und Georg Gregull.
Die Kulturarbeit der Pommern spiegelt auch die Themenvielfalt der Veranstaltungen wieder: In 15 Jahren haben Themen — um nur einige zu nennen — wie “Unter der Linde“ (1994), “Brauchtum und Handwerk in (1996), “Eine Reise durch Pommern“ (1998), “50 Jahre Gedenkstätte des deutschen Ostens (2001, der BdV hat dieses Jubiläum nicht gewürdigt), “Pommersche Persönlichkeiten“ (2003) und das “Stettiner Hafenfest“ (2004) bei insgesamt etwa 9000 Besuchern die Erinnerung an ihr Geburtsland wachgehalten.
Bei einer derartigen Besucherfrequenz ist es nicht verwunderlich, daß der 2. Vorsitzende des Schloßbauvereins, Dieter Siebenborn, in seinen Grußworten sich lobend über die Aktivitäten der Pommern zum Erhalt der Gedenkstätte geäußert hat und der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß es nicht bei der 15. Veranstaltung dieser Art bleibt. Horst Westkämper, Beauftragter für Vertriebenen- und Flüchtlingsfragen der Landesregierung war eigens aus Düsseldorf mit einer positiven Botschaft angereist: “Ich darf Ihnen die Grüße des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers überbringen. Er hat kurz nach seiner Wahl diese Gedenkstätte besucht“, sagte Westkämper und verkündete, daß es im Lande NRW wieder einen Etat für die Kulturarbeit gibt. “Jeder Vierte in diesem Lande hat seine Wurzeln im deutschen Osten und denen sind wir verpflichtet. Die Landesregierung hat somit die Bezuschussung der “Gedenkstätte des deutschen Ostens“ wieder in den Haushalt aufgenommen.“ schloß Westkämper seine Ausführungen.
In seinem Schlußwort dankte Klaus Witte im Namen der vier Kreisgruppenvorsitzenden Brigitte Kiel (Remscheid), Detlef Lindemann (Solingen), Jürgen Weiher (Wermelskirchen) und Ulrich Kosin (Wuppertal) allen die gekommen waren, und lobte den Einsatz der vielen ungenannten Helfer. Ohne sie wäre eine Veranstaltung in diesem Rahmen nicht möglich. Mit dem gemeinsam gesungenen Bergischen Heimatlied und dem Pommernlied war die 15.Kulturveranstaltung beendet.
 

Hier der Zeitungsartikel aus dem Remscheider General Anzeiger vom 03.07.2007

Bilder der 15. Kulturveranstaltung (anklicken zum Vergrößern!)